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Fototechnik, das Wichtigste in Kürze
Bei all den vielen Funktionen der SLR (Spiegelreflex) –Kameras, dreht sich doch beinahe alles um dieselben wenigen Faktoren für ein Bild. Grundsätzlich besteht der technische Teil der Fotografie aus den Komponenten Schärfe, Belichtung und Farbtemperatur. Diese sind unabhängig voneinander und haben nichts miteinander zu tun. Beginnen wir mit der Komponente Schärfe.
Schärfe: Die Kamera stellt mit dem Objektiv scharf. Dies sehen Sie auch sofort wenn Sie durch den Sucher schauen. In der Regel ermittelt die Kamera die Distanz, sprich Schärfe, über mehrere Messfelder die sie automatisch auswählt. Bei vielen Modellen können die einzelnen Felder manuell eingestellt werden. So können Sie sich zum Beispiel immer auf das Feld in der Mitte scharf stellen lassen. Ist der Autofokus auf „One Shot“ resp. „Single“ gestellt, hat der Auslöser, halb durchgedrückt, eine Schärfespeicher Funktion die Sie unbedingt nutzen sollen. Nachdem Sie die Schärfe beim Objekt genommen haben, können Sie nun mit halb gedrücktem Auslöser das Objekt von der Bildmitte woandershin platzieren indem Sie die Kamera leicht schwenken. Bilder mit dem Objekt in der Bildmitte erzeugen nämlich eine eher langweilige Wirkung (Keine Regel ohne Ausnahme). Der Autofokus kann am Objektiv oder an der Kamera auch abgeschaltet werden. Die Schärfe stellen Sie nun am Objektiv ein.
Schärfentiefe: Die eingestellte Schärfe kann sich zusätzlich ausdehnen. Diese Ausdehnung nennt sich Schärfentiefe und ist in diesem Fall abhängig von der Blende. Die Schärfentiefe kann ein paar cm, ein paar m oder den ganzen Bildausschnitt betragen. Bei Nahaufnahmen beträgt die Schärfentiefe lediglich ein paar mm. Wie Sie die Schärfentiefe beeinflussen und einsetzen, erkläre ich im ausführlich Word Dokument "Fototipps". Als Faustregel gilt: vom eingestellten, scharfen Punkt dehnt sich die Schärfentiefe 1/3 Richtung Kamera und 2/3 nach hinten aus.
Belichtung: Bei der Belichtung fällt das Licht für eine bestimmte Zeit auf den Sensor. Technisch setzt sich dieser Vorgang aus Blende und Verschlusszeit zusammen. Die Verschlusszeit bestimmt, wie der Name schon sagt, wie lange der Verschluss offen bleibt um das Licht hindurch auf den Sensor zulassen. Die Verschlusszeit ist ein Bruchteil einer Sekunde, kann aber auch mehrere Sekunden sein. Der Verschluss ist übrigens in der Kamera hinter dem Spiegel den Sie sehen, wenn Sie das Objektiv entfernen.
Die Blende ist eine Iris im Objektiv, ähnlich wie beim menschlichen Auge. Nur heisst sie bei uns nicht Blende sondern Pupille. Die Öffnung der Blende ist verstellbar, deren Wert in Zahlen angegeben wird. Hier ein Beispiel einer Blenderreihe (ganze Blendenstufen)
2, 8 / 4 / 5,6 / 8 / 11 / 16 / 22
Bei Ihrer Kamera sind noch mehr Blendenwerte ersichtlich. Der Unterschied zwischen diesen angezeigten Werten beträgt 1/3 Blende. Falls Ihnen die Blendenzahlen noch nicht vertraut sind, müssen Sie sich einfach merken, dass die kleinste Zahl die grösste Öffnung und ist und umgekehrt.
Blende und Verschlusszeit sind abhängig voneinander. Für eine bestimmte Menge an Licht sind immer beide notwendig. Sie können das der Kamera überlassen oder Sie können Blende oder Verschlusszeit vorwählen und das Andere von der Kamera nachführen lassen. Auch können Sie beide, Verschlusszeit und Blende, manuell einstellen mit der Einstellung „M“. Dies wird jedoch wenig angewendet.
Kamerafunktionen für die Belichtung:
P: Programmautomatik. Zeit und Blende wird von der Kamera eingestellt.
AV oder A: Sie wählen eine fixe Blende. Zeit wird von der Kamera automatisch nachgeführt.
TV oder S: Sie wählen eine fixe Verschlusszeit. Blende wird von der Kamera automatisch nachgeführt.
M: Manuell. Zeit und Blende einstellen. Die Einstellung bleibt bis Sie die Werte wieder verstellen.
+/-: Belichtungskorrektur. Ist Ihr Bild zu hell oder zu dunkel geworden, machen Sie ein Neues mit der entsprechenden Korrektur. + wird heller, - wird dunkler.
Tipp: Wenn Sie Beginner/Beginnerin sind, empfehle ich Ihnen in der Regel mit AV, resp. A zu fotografieren, falls Sie auf Blende oder Zeit Einfluss nehmen möchten. Es gibt nämlich für jede Blende die passende Verschlusszeit, nicht aber umgekehrt. Sie laufen mit AV nicht die Gefahr zu helle oder zu dunkle Bilder zu kriegen, nur weil Sie die warnende Anzeige im Display oder Sucher übersehen haben.
ISO: ISO heisst so viel wie „International Standard Organisation“ aber das müssen Sie nicht wissen. ISO ist vom Film übernommen worden. Auf Film Packungen ist die Empfindlichkeit von 200 ASA/24 Din angegeben. ISO hat den amerikanischen Wert ASA übernommen und entspricht ganz einfach der Empfindlichkeit vom Film, heute des Sensors. Wenn Sie den ISO Wert auf Automatik lassen, passt die Kamera diesen Wert den Lichtbedingungen selber an. Den ISO Wert manuell einzustellen macht aber durchaus Sinn, so halten Sie die Empfindlichkeit niedrig auf 100 oder 200 und wählen erst einen höheren Wert, wenn Sie ihn wirklich benötigen. Zum Beispiel um aus der Hand zu fotografieren bei wenig Licht. Je höher Sie die Empfindlichkeit wählen, umso grösser ist der Kompromiss, der sich in Bildrauschen ausdrückt. Und, grössere ISO Zahl = höhere Empfindlichkeit. Übrigens, eine Verdoppelung oder Halbierung des ISO Werts entspricht genau dem Wert einer Blende.
Farbtemperatur: An der Kamera finden Sie die möglichen Einstellungen dafür unter WB (White Balance). Neben der Automatik (z. Bsp. AWB) steht Ihnen eine manuelle Einstellung von Sonnenlicht, Bewölkt, Schatten, Kunstlicht (Glühlampe oder Neonröhre) und ev. Blitzlicht zur Verfügung. Eine manuelle Einstellung macht Sinn, wenn Sie die Farben wärmer oder kühler als von der Automatik gemacht möchten. Einfach ausprobieren.
Antworten zu elementaren, fotografischen Fragen
Wie erhalte ich die längst mögliche Verschlusszeit?
Niedrigste ISO einstellen, Kameramodus auf „A“ stellen und die kleinste Blende (grösste Zahl) wählen. Die Kamera sollte auf einem Stativ montiert sein. Selbstauslöser einstellen, da sonst beim Abdrücken die Kamera trotz Stativ leicht wackeln kann.
Wie mache ich einen unscharfen Hintergrund?
Brennweite (Zoomeinstellung am Objektiv) über 50mm wählen. Kameramodus auf „A“ stellen und grösste Blende (kleinste Zahl) einstellen.
Wie erzeuge ich eine grosse Schärfentiefe?
Eventuell Brennweite (Zoomeinstellung am Objektiv) unter 35mm einstellen, je nach Sujet und Geschmack. Kameramodus auf „A“ stellen und kleinste Blende (grösste Zahl) wählen. Eventuell ISO erhöhen oder Kamera auf Stativ montieren.
Wie kriege ich schöne Farben hin?
Die Bilder sollten nicht zu hell sein. In der Regel muss man 0,3 oder 0,7 Blendenwerte unterbelichten. Aber der einzige richtige Einfluss auf die Farben übt nur der Weissabgleich aus. Den stellt man mit der Taste "WB" ein. In der Regel ergeben die Einstellungen "Sonnenlicht" oder "bewölkt" die besten Werte.
Wie mache ich Nachtaufnahmen?
Kamera auf Stativ stellen. Kamera auf "P", "A" oder "S" stellen. Weissabgleich auf "Sonne" stellen, je nach Geschmack und mit "+/-" auf minus 1 bis minus 2 stellen. Selbstauslöser einstellen, da sonst beim Abdrücken die Kamera trotz Stativ leicht wackeln kann.
Wie fotografiere ich durch eine Scheibe oder ein Gitter hindurch?
Mit der Kamera möglichst nahe oder ganz heran gehen. Bei einem Gitter die grösste Blende wählen (beim Kameramodus "A" die kleinste Zahl einstellen). So wird das Gitter oder eventuelle Flecken in der Scheibe unscharf abgebildet. Falls die Kamera Probleme mit der Schärfeeinstellung hat, beim Objektiv auf "M" stellen und die Schärfe ganz vorne beim Objektiv einstellen.
Wie erstelle ich ein Panorama Bild?
Die Belichtung für wichtigsten Bildausschnitt messen und im Sucher Blende und Zeit ablesen. Im Kameramodus "M" die abgelesenen Werte von Blende und Zeit einstellen. Die einzelnen Fotos von links nach rechts oder umgekehrt überlappend belichten. Im Photoshop Elements die Bilder unter Datei/Neu/Photomerge-Panorama zusammenfügen lassen.
Wie setze ich den Blitz ein, so dass es trotzdem schöne Bilder gibt?
Fotografieren mit Blitz ist generell nicht optimal, aber manchmal unausweichlich. Die besten Resultate erhält man in der Regel mit einem hohen ISO Wert, z. Bsp. 1600. So wird das Restlicht vor Ort ebenfalls sichtbar und man vermeidet die hässlichen Fotos mit weissen Gesichtern mit schwarzem Hintergrund. Über die "+/-" Taste kann man sich an die beste Belichtung/Ergebnisse herantasten.
Kann ich den Bildstabilisator eingeschaltet lassen?
Die Unterschiede zwischen den Produkten und alten und modernen Stabilisatoren sind zu gross um einfach ein Ja oder Nein zu nennen. Die meisten Amateure lassen den Bildstabilisator einfach eingeschaltet und das ist auch gut so. Man vergisst ihn nämlich nicht einzuschalten wenn man ihn wirklich braucht. Wer hohe Ansprüche an die Bildqualität setzt, schaltet ihn nur bei Bedarf ein. Wer genau wissen will, ob und wie viel die Detailgenauigkeit bei eingeschaltetem Bildstabilisator und ruhiger Kamera (ab Stativ) vermindert wird, macht ein paar Aufnahmen mit und ohne und betrachtet die Bilder anschliessend bei einem Zoom Faktor von 100%.
Was heisst Lichtstärke eines Objektivs?
Das ist die grösste Blendenöffnung. Sie ist am Objektiv angegeben, in der Regel vorne um die Frontlinse herum. Beispiel: 70-300mm/f4.0-5.6 heisst grösste verfügbare Blende bei 70mm ist 4.0 bei 300mm ist es 5.6.
Soll ich JPEG oder RAW machen?
Falls Sie nicht gerne am Computer sitzen, machen Sie besser JPEG. Falls Sie sich für die Bildbearbeitung interessieren sind Sie mit RAW besser bedient. Die RAW ist komfortabel und der Weissabgleich kann bequem angepasst werden. Die Eigenschaften von JPEG und RAW finden Sie in meinem Online Fotolexikon.
Wie erhalte ich die grösste Qualität beim Fotografieren?
Kamera möglichst ruhig halten bei der Portraitfotografie und mindestens 1/100 Sekunde, besser eine schnellere Verschlusszeit verwenden, oder bei der Landschaftsfotografie ab Stativ fotografieren. Ab Stativ den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser verwenden. Mit dem Dateiformat RAW fotografieren. Für die maximale optische Qualität zwei Blenden abblenden. Das heisst bei einer Lichtstärke von 3.5 oder 4.0, Blende 8 wählen. Die kleinste Blende (22 oder 29) erzeugt in der Regel eine kleine Beugungsunschärfe die am Bildrand erkennbar wird. Bei hochwertigen Objektiven ist die optische Leistung aber auch bei den kleinsten Blenden sehr gut.