Reisebericht Südschweden/Südnorwegen 2011

Vorwort

Dieser Trip war der Erste für meine neue Produktion „Naturwunder Europa“. Die Spannung, die Erwartungen an die einzelnen Orte, Stimmungen und neuen Bilder sowie die Sehnsucht, endlich loszulegen waren also gross. Die wichtigsten geplanten Objekte aus Südschweden und Norwegen waren die Felssäulen auf Gotland, Preikestolen, Trolltunga, die Fjorde Nærøy-, Aurland-, Geiraner- und die Wasserfälle Voringfossen und Vettisfossen. In der Live-Diashow würde dieser Teil ca. 8 Minuten ausmachen und auf der DVD ca. 10 bis 11 Minuten. Für die werdende, dreiwöchige Fototour nahm ich meine Familie, also meine Frau Angelika und unseren fünfjährigen Sohn Nico mit. Die Katze musste zuhause bleiben.

Reisebericht

Mittwochabends 20. Juli sind wir abgefahren vollgepackt bis an die Decke unseres Wagens. Am nächsten Abend kurvten wir bereits in Schweden herum. Es regnete. Den folgenden Tag verbrachten wir im grössten Elchpark in Schweden (Grönåsens Elchpark) wo ich meine ersten Bilder für "Naturwunder Europas" Teil I schoss. Obwohl wir die Tiere nicht in freier Wildbahn sichteten waren wir von Diesen beeindruckt. Der Tag war trocken und der Abend zeigte sich sogar sonnig als wir über kleine Nebenstrassen Richtung Küste fuhren. Den Abend verbrachten wir an einem abgelegenen, herrlichen Platz im Wald an einem kleinen See, von denen es unzählige gibt. Es herrschte absolute Stille. Die einzigen Geräusche die wir hörten verursachten wir selber. Ich genoss es, gemütlich bei gutem Wetter auf dem Gaskocher in der Pfanne zu rühren und dazu an einem Becher Rotwein zu nippen. Bereits zum dritten Mal schliefen wir alle zusammen im Auto. Das funktionierte sogar ziemlich gut. In unserem VW Passat, Kombimodel findet man reichlich Platz, wenn man will. Geschlafen wurde auf der Matratze eines Bettsofas, also ziemlich bequem mit Nico in der Mitte. Am folgenden Tag nahmen wir die Fähre in Oskarshamn und fuhren nach Visby, Gotland. Auf der Insel angekommen machten wir eine spannende Entdeckungsfahrt bei der wir mehrere alte Windmühlen sichteten. An der Südostküste Gotlands kamen wir schliesslich zu einem rot-weiss gestreiften Vorzeigemodell von Leuchtturm bei När. Beim Eindunkeln, also nach 22:00 Uhr fing ich dann eilig zu kochen an. Unser Zelt hatten wir an der Küste unter ein paar Bäumen aufgestellt. Kaum ein paar Mal in der Pfanne gerührt, fing es zu regnen an und ich musste zum ersten Mal so richtig am Wetter herummotzen. Alle Sachen flogen ins Auto und die Familie verkroch sich ins Zelt um zu kochen und heisshungrig die Suppe mit Servelatrugeli zu verdrücken. Der nächste Tag führte uns zur kleinen Insel Fårö im Norden Gotlands, wo das erste Highlight auf mich wartete. Auf dieser Insel gibt es an mehreren Stellen äusserst schöne und grosse Kalksteinsäulen an der Küste.

Zweimal spät am Abend zwischen 08:30 und 23:00 Uhr konnte ich seit langem wieder einmal Bilder ganz nach meinem Gusto in den analogen Kasten bannen. Oh wie das gut tat. Auf Fårö übernachteten wir zweimal auf einem Campingplatz am Meer und Nico drehte fast durch vor Freude als wir mitsamt den Kleidern in den hohen Wellen des Meers herumtobten. Drei Tage später hingen die Kleider immer noch im Auto am trocknen. Wir sind früh morgens losgefahren nach Visby, haben die Fähre nach Nynasahmn genommen und sind dann Richtung Stockholm gefahren. Ich merkte, dass ich mein Notebook weder an meinem 12-Volt Adapter, noch an den Steckdosen in Schweden einstecken kann um ihn aufzuladen. Das Notebook brauchte ich um die Videosequenzen zu sichern. Der Landschaftsfotograf Christian Oeler ging ins Bauhaus, kaufte eine Säge und sägte kurzerhand den Erdungsstift am Stecker ab. Den Stecker musste ich auch noch flacher machen aber schliesslich konnte ich das Ding in meinem 12-Volt Adapter stecken. Ich wagte auch das Notebook einzuschalten und war froh, dass nichts zu rauchen oder zu glühen anfing. Allerdings war es angesteckt nicht zu gebrauchen weil wahrscheinlich die Leistung bei 12-Volt zu niedrig ist aber immerhin man konnte den Akku des Flachmann aufladen. Problem gelöst. Wir schauten uns anschliessend die Altstatt von Stockholm an, waren etwas enttäuscht von dieser und machten uns wieder auf den Weg, diesmal Richtung Oslo. Wir übernachteten spontan irgendwo auf einem Parkplatz, ein paar Minuten von der Autobahn entfernt im Auto. Angi hat gestern Abend beim Eindunkeln vom Auto aus noch eine Elchkuh mit Jungem gesehen, ich und Nico leider nicht. Wenn ich auch noch einen sehen würde, würde ich einen Elch-Kleber kaufen und am Auto anbringen. Genauso wie der klassische Tourist im Norden. Der heutige morgen fing mit einem gemütlichen Frühstück und Überbrücken des Autos an da ich über Nacht die Zündung eingeschaltet liess. Mein Hirn hat eben auch nicht immer die Mindestmenge an Blut. Vielleicht konnte ich mich auch nicht richtig konzentrieren, weil an unserer Wäscheschnur im Auto ein Dutzend, zur Not und von Hand gewaschene Unterhosen von jüngsten Familienmitglied hingen. Die grosse Reiseaufregung hat wahrscheinlich die Darmflora durcheinander gebracht.

Unsere Reise verlief spannend und angenehm weiter. Beim Schreiben des letzten Reiseberichts in der Bibliothek war Nico bei den Kindersachen und als er aufschaute war Mami nicht mehr da. Diese stand nämlich neben mir und gab Kommentare ab über meinen Bericht. Nico dachte, wir seien schon gegangen und lief hinaus um das Auto zu suchen, welches er aber nicht mehr fand. Die Tränen liefen hinunter und eine Frau sprach Ihn an. Nico verstand natürlich kein Wort und gab daher auch keine Antwort. Die Frau rief per Handy jemanden in Uniform an und Nico lief wieder zurück zur Bibliothek. Dort fand er uns dann auch endlich, wir waren immer noch am gleichen Ort. Der kleine Bub schluchzte: „ ich han Dich gsuecht!“ eine Frau war ganz erlöst, ein Mann grinste und ein Uniformierter (Sicherheitsdienst oder so) winkte ebenfalls grinsend beim vorbeigehen. Um die ganze Geschichte aus Nico herauszukitzeln brauchten wir anschliessend ein paar Stunden und viele Auto-Km. Wir fuhren auf kleinen Strassen und Kieswegen durch tiefe Wälder an vielen Seen vorbei und genossen diese herrliche Gegend. In einem der Seen nahm ich noch ein ausgiebiges und erfrischendes Bad. Abends kreuzte dann doch tatsächlich eine Elchkuh mit Kalb unseren Weg. Wir stiegen langsam aus und standen den beiden ein paar Meter gegenüber. Ruhig lief die Mutter in den Wald, das Junge folge. Ich folgte dann ebenfalls mit Videokamera, aber ich konnte die beiden nicht mehr finden. Anschliessen sagte mir Angi, dass man im Wald nur mich hörte. Aha, im Gegensatz zu mir kann eine mehrere hundert Kilo schwere Dame geräuschlos durchs Unterholz schleichen. Später landeten wir auf einem Campingplatz, nahe der Norwegischen Grenze wo ich einen Wein entkorkte. Am nächsten Tag konnte ich mein Abenteuerfieber etwas ausleben, wir mieteten nämlich ein Kanu. Auch Nico hatte voll den Plausch. Angi sagte nach der Rückkehr: „Ich mage nüme!“ Wir stachen ein Stück in das unendlich grosse Netz der vielen Seen hinaus und erkundeten zwei kleine Inseln. Es war herrlich, auch wenn der Trip nur ca. 3h dauerte. Die Reise ging weiter, ein Gefühl das ich immer liebe und wir fuhren über die Grenze nach Norwegen, vorbei an Oslo ins Landesinnere gegen Westen. Die Landschaft war ähnlich, war jedoch nicht mehr mit so schmucken Häusern besiedelt wie in Schweden, wurde dafür aber gebirgiger. Bei einem kleinen Rastplatz an einem See kochten wir Ravioli und Nico und ich spielten Fussball. Das Goal war zwischen zwei Bäumen (sehr praktisch). Um Mitternacht, einige Auto-Km und eine hölzerne Stabskirche weiters machten wir das Auto schlafbereit auf einem Parkplatz. Am nächsten Morgen machten wir uns bald wieder auf die Räder und fuhren über einen schönen Pass. An einem grossen See, an einem Holztisch unter Bäumen frühstückten wir ausgiebig und Nico ass die restlichen Ravioli vom Vorabend. Bei diesem Platz fanden wir zwei grosse Steinpilze die köstlich dufteten und einem das Wasser im Munde zusammenlaufen liess. Obwohl wir uns mit den Pilzen doch nicht so gut auskannten, beschlossen wir diese Zwei am Abend zu den schwedischen Köttbullar (Fleischbällchen) zu kochen. Die Reise ging über einen weiteren, lang gezogenen Pass mit vielen Seen und Schafen und wir landeten schliesslich im Fjordland. Nach einer kurzen Fahrt mit einer Fähre gelangten wir zum Preikestolen Campingplatz. Schliesslich begann ich mit Nico die Pilze zu zerlegen und dünstete sie mit Butter an. Ich kostete zwei, drei Stücke aber sie schmeckten nicht nach Steinpilz, waren sogar eher etwas geschmacklos. Ich spuckte die Stücke aus und die ganze Pilzgeschichte landete im Abfall. Wir hatten ja noch die getrockneten Champignons …

Unser erster Tag an der Küste Norwegen, laut Wetterbericht hätte er eigentlich aus einem Mix aus Sonne und Wolken bestanden, war grau und endete auch so. Für den nächsten Tag war ebenfalls einen Mix aus Sonne und Wolken angesagt mit einem sonnigen, beinahe Wolkenlosen Abend. Diese Informationen bezog ich auf der Webseite vom Norwegischen Wetter Institut wo für jede einzelne kleine Region genaue Vorhersagen ersichtlich sind. Die Motivation und Freude am nächsten Tag war also gross, denn wir wollten im Laufe des Nachmittags loslaufen und den Preikestolen erklimmen der über 600m senkrecht in den Lysefjord abfällt. Leider, leider war der Himmel an diesem Tag ebenfalls grau. Es herrschte schlechte Sicht und überall hing Nebel an den Bergen. Ich musste bereits ziemlich aufs Maul hocken, schliesslich wollte ich meiner Familie nicht schon am Anfang unserer Norwegen-Fototour auf die Nerven gehen. Trotz des elenden Wetters machten wir uns am späten Nachmittag auf den Weg. Laut Rückkehrender Besucher auf dem Parkplatz wäre man oben nicht im Nebel und man würde was sehen. OK, ich war motiviert. Der Weg führte mässig und manchmal auch ziemlich steil, über viele, viele grosse Steine auf einer Strecke von 4km über knapp 300 Höhenmeter aufwärts und war überhaupt nicht mit einem Wanderweg wie wir sie in der Schweiz kennen, zu vergleichen. Aber, Nico war unglaublich tapfer und lief alles ohne murren hinauf. Während des letzten Viertels war immer wieder blauer Himmel durch die Nebeldecke zu sehen und die Sonne schien sich durchzusetzen. Ich sagte: „wenn es oben aufreisst, dann sieht es hammermässig aus und ich werde mich bei allen Göttern bedanken!“ Die Tour hinauf war schlussendlich doch anstrengender als erwartet und Angi und ich mussten Nico schon ziemlich gut zureden damit er seine Wanderschuhe auf das nächste Stück Felsen stellte, aber wir schafften es. Endlich sahen wir den grossen Felsen von den Klippen hervorstehen. Das war schon imposant! Die Sicht war nicht schlecht und man konnte auf den Fjord hinunter gucken. Nun hiess es Nico im Zaun halten, aber zum Glück war er ängstlich genug, dass er sich ganz hinten und nicht im vorderen Stück hinsetzen wollte. Ich kam wirklich nur kurz dazu einmal hinunter zu schauen, den Rucksack abzulegen und Wasserzutrinken bevor sich der Nebel über die ganze Sicht und den Preikestolen legte. Eigentlich wollte ich jetzt meine ersten Aufnahmen machen aber das Wetter war bereits wieder gegen mein Vorhaben. Ich beschloss nun auf einen etwas höheren Punkt zu gelangen um die Sehenswürdigkeit schräg von oben mit dem Fjord im Hintergrund ablichten zu können. Dort angekommen wollte ich warten bis sich der Nebel wieder verziehen würde. Ich wartete vergebens und musste anstatt den Göttern danken, sie alle vom Himmel herunterholen. Die Sicht blieb einfach mies. Trotzdem machte ich zwei verschiedene Aufnahmen und nahm mir vor, am nächsten Tag alleine halt nochmals hochzugehen. Inzwischen waren wir alleine, also die Letzten und beschlossen nun auch wieder hinunter zu wandern. Schliesslich würde es bald eindunkeln. Wir liefen los. Wir waren kaputt und ich war saumässig sauer wegen des verdammt mühsamen Wetters im Norden. Beim Abstieg an der steilen Geröllhalde fing es nun definitiv an einzudunkeln. Zum Glück hatte Angi die kleine Taschenlampe von Nico dabei. Nico bekam nämlich ein bisschen Angst. Mir war auch nicht mehr so wohl aber ich durfte das natürlich nicht zeigen. Inzwischen war es ca. 22:30 Uhr. Als wir dann später für kurze Zeit den richtigen Weg nicht mehr fanden, waren meine Nerven definitiv überspannt. Zum Glück fanden wir den Pfad bald wieder. Mit Frau und Kind, einfach mit einer Jacke, nachts in einem unbekannten Wald herum zu hocken hätte ich gar nicht gebraucht. Meine Abenteuerlust habe ich in meinem Leben bis zu einem gewissen Grad schon ausgelebt. Um Mitternacht, zurück im Campingplatz, kochte ich noch eine Tomatensuppe doch Nico war schon vor dem ersten Löffel eingeschlafen.

Am nächsten Morgen sah ich mir die beiden Videosequenzen vom Vorabend an und fand, dass der Fels im Nebel ziemlich gut wirkte. Ich beschloss, nicht nochmals hoch zu wandern, der Preikestolen kann mir den Buckel runter rutschen. Das Wetter war am neuen Tag wieder absolut trostlos grau und der Wetterbericht für die nächsten Tage ebenso trostlos. Nico konnte sich das grösste „Glacé“ aussuchen dass er sich wahrhaftig verdient hatte und wir zogen weiter. Bereits im nächsten Fjord hatten wir Sonne und schöne Wolken und meine Motivation besserte sich allmählich wieder. Bis zum Abend hatten wir einen ziemlich sonnigen und gemütlichen Tag im Auto entlang einiger Fjorde erlebt. Wir fuhren bis zum Stausee oberhalb Odda. Auf einem Parkplatz schliefen wir zusammen mit einigen anderen Touristen die ebenfalls im Auto, Camper oder Zelt dort übernachteten. Dieser Parkplatz ist nämlich der Startpunkt einer wirklich anstrengenden Wanderung zur Trolltunga. Um drei Uhr Nachts stand ich auf und lief los. Der Start war der happigste Teil. Auf der Treppe einer Standseilbahn der Wasserwerkgesellschaft lief ich um die 400 bis 500 Höhenmeter aufwärts. Das war schon für das Gehirn eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Ich wollte so schnell wie möglich oben sein und lief wie ein irrer. 40 Minuten später war ich oben und bereits bachnass an Stirn und Rücken. Der Weg führte weiters hinauf und weit oberhalb des Stausees den Klippen entlang. Der Weg wollte und wollte nicht enden. Endlich, endlich, kurz nach sechs Uhr erreichte ich mein Ziel. Plötzlich sah ich die lange Felsnase weit über den Abgrund hinausragen. Der Anblick dieses Monuments hat mich beinahe umgehauen. Spektakulär! Der saumässige Chrampf, hier hoch zu steigen hat sich gelohnt. Sogar das Wetter war nicht schlecht. Wolkiger Himmel und sich bildender Nebel über dem Tal. Meine Aufnahmen dauerten eineinhalb Stunden. In der Morgensonne machte ich noch mein erstes Kommentar für die Extras auf der DVD. Selbstverständlich konnte ich nicht widerstehen und bin auf dem Felsen bis hin zur vordersten Kante gegangen.

Kurz nach Mittag und wieder unten im Tal machten wir uns alle wieder auf den Weg abwärts, zurück nach Odda. Im Tunnel vor Odda waren die Fahrgeräusche verdächtig laut und wir realisierten, dass ich den Kofferraumdeckel des Wagens offen lies. Mir lief es gleich kalt den Rücken hinunter, standen doch meine beiden Fototaschen gleich dort, nämlich ganz hinten aufeinander. Es war also möglich dass die obere (die mit der neuen Videokamera) hinausgefallen war. Nach dem Tunnel hielt ich sofort an und schaute nach. Mein Herz schlug sofort wieder normal, als ich die beiden Taschen erblickte. Ich hatte wieder einmal Schwein gehabt. Nur mein Necessaire fehlte. Wir fuhren den ganzen Weg zurück und fanden es weit oben auf der Strassenmauer liegend. Jemand hat es von der Strasse aufgehoben und dort hingelegt. Danke. Noch am gleichen Abend standen wir oberhalb des Voringfossen, für mich einer der schönsten Wasserfälle Norwegens. Eine gewaltige Masse an Wasser ergiesst sich hier weit in die tiefe Schlucht hinab. Auf einem Campingplatz feierten wir ein wenig 1. August und am nächsten Morgen wanderten wir in die Schlucht des Voringfossen um noch Aufnahmen vom Fall aus der Sicht der Schlucht machen zu können. Das ganze Vorhaben war ein schönes Erlebnis in wilder Natur und ich war mit den Ergebnissen bestens zufrieden. Am Abend erreichten wir bei langweiligem, grauem, ödem und demotivierendem Wetter den Nærøyfjord. Dieser eher schmale Fjord ist ein Bijou unter den Fjorden und geniesst wegen seiner Schönheit auch UNESCO Schutz, so wie sein grosser Nachbar, der Aurlandsfjord. Aber in diesem Norwegischen nicht aufhörendem Scheisswetter ist auch der schönste Fjord nur eine graue Maus. Meinen leise vor mich hin motzenden Beschwerden folgt das Kochen, diesmal bei Regen an einem Picknicktisch unter dem Dach einer Tankstelle. Es gab Forellenfilets mit Reis. Mir schmeckte es sehr gut. Angi und Nico waren weniger begeistert aber ziemlich zufrieden. Wir übernachteten gleich beim Parkplatz bei der Tankstelle und am nächsten Morgen versuchte ich den in Wolken und Nebel verhangenen Nærøyfjord abzulichten. Wenigstens wird auf dem Diafilm Schattiges leicht bläulich wiedergegeben. So habe ich die Chance, dass die triste Küste Norwegens wenigstens auf dem Film einigermassen gut aussieht. Nach dem Frühstück ging es weiter zu einem Aussichtspunkt des Aurlandsfjord. Inzwischen konnte sich die Sonne etwas durchsetzen aber die Sicht war nicht klar und der Himmel mit langweiligen Milchsuppenschleierwolken versetzt. Meine Motivation erreichte einen Tiefpunkt. Mürrisch machte ich ein paar Aufnahmen der Aussicht, grrrrrrrr. Mir wird bewusst, dass wir an der Küste Norwegens noch nie klares Licht hatten. Und genau das ist es, was mich am Norden unter anderem so fasziniert. Ebenso gab es nie eine Morgen oder Abendstimmung. Nie! Die Tage fingen grau an und hörten grau auf. Am gleichen Abend erreichten wir Undredal am Aurlandsfjord. Dort gefiel mir die Fjordlandschaft zum ersten Mal richtig gut. Zwar war das Wetter nicht besser, aber die Kulisse war echt super und das Dorf schmuck und gemütlich. Wir buchten für zwei Tage ein Appartement und entspannten uns. Am folgenden Tag besuchten wir ein Freiluft Wikingerdorf. Dort wurden wir auf ein kleines Wikingerschiff zum Rudern eingeladen. Wetter schlecht, Erlebnis toll. Wir verliessen am nächsten Morgen unsere kleine, gemütliche Wohnung und packten das Reisen wieder an. In der Nähe von Øvre Årdal wanderten wir zu einem der höchsten Wasserfalle Norwegens. Diesmal bei Regen. Doch das war mir inzwischen egal. Fotografisch war das schlechte Wetter gut geeignet für den Wasserfall. Angi zog sich die neue Regenjacke an und ich mir ebenfalls, zusätzlich aber noch die dazugehörige Regenhose. Die Wanderung war wieder viel weiter als wir dachten. Angi und Nico blieben bei der Hütte in der Nähe des Vettisfossen und assen eine Waffel die nicht ganz fertig durchgebacken war. Ich widmete mich der verregneten Natur und lief noch eine halbe Stunde weiters bis zum Wasserfall. Der Vettisfossen macht sich sehr gut aber die Höhe wirkt nicht so enorm wie sie ist. Ich konnte zufriedenstellende Aufnahmen machen und wanderte wieder retour. Die ganze Zeit ärgerte ich mich immer wieder über den Regenschutz der nichts taugte. Scheisslicht, Scheisswetter und dann noch Ware die man nicht gebrauchen kann, das machte mich fertig. Bis ich zurück zur Hütte gelangt war hatte ich mich beruhigt. Ich machte auch noch einen weiteren Kommentar für die Extras, was mich auch ein bisschen besänftigte. Auf dem Rückweg waren wir alle wieder einmal kaputt und diesmal noch nass. Noch am gleichen Abend fuhren wir über den Pass, der Strasse 55, der als das Dach Norwegens gilt. Es war eine schöne und abwechslungsreiche Fahrt mit Sicht auf Gletscher. Am nächsten Mittag machte ich meine letzten Aufnahmen vom Fjordland Norwegens, an einem eindrücklichen Aussichtspunkt des Geirangerfjords. Der Blick auf den tief unten liegenden und sich zwischen dem Gebirge hindurch schlängelnden Fjord war ein schöner Abschluss.

Nun hiess es den langen Rückweg in die Schweiz anzupacken. Sobald wir die Küste verliessen, liessen wir auch Nebel und Wolken hinter uns. Über das Gebirge zu fahren war herrlich, auch die Landschaft gefiel mir sehr gut. Angi freute sich vor allem auf die Rückfahrt durch Schweden, dessen Grenze wir mitten in der Nacht auf einer Kiesstrasse im Wald überquerten. Irgendwo schliefen wir im Auto aber das Frühstück gönnten wir uns an einem Buffet in einem Hotel. Mit abwechselnder Sonne, schönen Wolken und Regen fuhren wir zum Campingplatz in Värnamo wo ich bis drei Uhr Nachts am Reisebericht schrieb. Während der nächsten zwei Tage befanden wir uns auf dem Heimweg, glücklich über all die Erlebnisse und voller Vorfreude auf den angenehmen Komfort und die restlichen Sommertage zuhause.